Landtagsarchiv: Parlamentsgeschichte seit 1946

 

Donnerstag, 18.02.2021

MÜNCHEN.    Fotos aus dem Plenarsaal der ersten Wahlperiode, das Arbeitsexemplar aus der Verfassunggebenden Landesversammlung und Benzinmarken von 1951 – das Landtagsarchiv des Bayerischen Landtags umfasst Unikate aus mehr als 70 Jahren Parlamentsgeschichte.

Schränke, Ordner, Mappen, Kisten – hinter jeder Tür und unter jedem Deckel, der sich im Landtagsarchiv öffnet, bieten sich einem eine Fülle an Dokumenten zu historischen und wegweisenden politischen Debatten und Entscheidungen. Denn das Archiv im Altbau des Maximilianeums beherbergt gemäß Art. 12 des Bayerischen Archivgesetzes das Archivgut des Landtags, seiner Ausschüsse und Gremien sowie des Landtagsamts seit 1946.

 

Die Wurzeln des Landtagsarchivs reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert

Ursprünglich geht das heutige Archiv des Bayerischen Landtags zurück auf das Archiv des durch die Verfassung von 1818 eingesetzten und ab 1819 einberufenen Landtags des Königreiches Bayern. Doch im Jahr 2004 beschloss das Präsidium, den Altbestand aus der Zeit zwischen 1819 und 1933 an das Bayerische Hauptstaatsarchiv abzugeben – bis auf wenige Ausnahmen. Denn in das Angebot der Landtagsbibliothek gelangten einige historische Lithographien wie die des Königs Ludwig II. und des von 1819 bis 1933 Bayerischen Landtagsgebäudes in der Prannerstraße 20 in München. Diese jahrhundertealten Schätze liegen dem Landtagsarchiv bis heute vor.

Ein ganz besonderer Schatz geht auf das Herzstück des Freistaats zurück: auf die Bayerische Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg. Vom Originaldokument selbst fehlt bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts jede Spur. Über dessen Verbleib existieren die verschiedensten Geschichten. Doch dem Landtagsarchiv liegt das Arbeitsexemplar aus der Verfassunggebenden Landesversammlung mit handschriftlichen Notizen und Korrekturen aus dem Jahr 1946 vor.

Auch Originalaufnahmen aus dem Plenarsaal der ersten Wahlperiode existieren noch. Nicht verwendete Fahrdienstmarken, sogenannte Benzinmarken, von 1951 gehören ebenfalls zum heutigen Archivgut der Bayerischen Landtags.

 

Zahlen und Fakten aus mehr als 70 Jahren Parlamentsgeschichte

Neben diesen Raritäten sammelt das Archiv hauptsächlich Parlamentsmaterialien wie Anträge, Beschlüsse und Protokolle – und kommt dabei auf beachtliche Zahlen. Seit 1946 bis zum Ende der 17. Wahlperiode 2018 behandelte der Bayerische Landtag unter anderem:

  • 181.076 Drucksachen (Anträge, Beschlüsse, etc.),
  • Protokolle der Beratungen von 2.303 Vollversammlungen sowie
  • 3.343 Gesetzentwürfe und etwa 186.904 Petitionen.

Auch Angaben zum parlamentarischen Werdegang aller Abgeordneten liegen dem Landtagsarchiv vor: Seit 1946 gibt es 1.424 Mitglieder des Bayerischen Landtags.

 

Das „Gedächtnis“ des Bayerischen Landtags

Bis heute hat das Archiv die Aufgabe, die Parlamentsmaterialien zu sammeln, zu erschließen und zur Verwendung bereit zu stellen. Die Vergangenheit erforschen und die Gegenwart für die Zukunft dokumentieren: Wie wichtig, hilfreich und oft auch spannend diese Arbeit nach wie vor ist, weiß Dr. Markus Nadler, Leiter des Referats Z I Bibliothek, Dokumentation, Archiv: "Das Archiv des Bayerischen Landtags gibt es bereits seit mehr als 200 Jahren. Sein Auftrag ist noch immer so aktuell wie am ersten Tag: das 'Gedächtnis' des Parlaments zu bewahren. Heute natürlich längst nicht mehr nur in Papierform."

 

Mehr Einblicke in das Archiv des Bayerischen Landtags erhalten Sie in unserer Bildergalerie:

(LC)

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