Neue Ausstellung: Landtag zeigt „Israel – Orte – Begegnungen – Geschichte“

Ausstellungsdauer:
26. Juni bis 18. Juli 2019



Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 16.00 Uhr und Freitag von 9.00 bis 13.00 Uhr sowie sonntags im Rahmen der zum Sonntagscafé angebotenen Hausführungen in der Zeit zwischen 13.00 und 15.00 Uhr.

Größere Besuchergruppen werden gebeten, sich vorher anzumelden; Informationen dazu unter Ihr Besuch im Landtag.

Wir möchten darauf hinweisen, dass in wenigen Ausnahmefällen beim Zugang zur Ausstellung aus parlamentarischen Gründen oder wegen eines erhöhten Besucheraufkommens mit Wartezeiten zu rechnen ist.

Ausstellungseröffnung

Wie sieht eine Erinnerungskultur aus, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt?

Dienstag, 25. Juni 2019

– Von David Lohmann –


Noch bis zum 18. Juli ist im Maximilianeum die Ausstellung von Studierenden der Katholischen Stiftungshochschule München „Israel – Orte – Begegnungen – Geschichte“ zu sehen. Darin geht es auch um die Frage: Wie sieht eine Erinnerungskultur aus, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Antworten darauf gaben bei der Ausstellungseröffnung Landtagspräsidentin Ilse Aigner und verschiedene Experten.

Seit vier Jahren beschäftigen sich Studierende der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH) mit der Geschichte nationalsozialistischer Verbrechen und deren Auswirkungen auf die Gegenwart. Zentrales Element des Projekts ist die jährliche Reise nach Israel. „Viele Sozialarbeiter und Erzieherinnen mussten während des Nationalsozialismus aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder demokratischen Einstellungen Deutschland verlassen“, erklärte Professor Annette Eberle bei der Ausstellungseröffnung „Israel – Orte – Begegnungen – Geschichte“. Gemeinsam mit den Studierenden untersucht sie, wie es den Auswanderern ergangen ist und wie deren Konzepte weitergetragen wurden. Die Ergebnisse der Begegnungen und Gespräche sind noch bis 18. Juli auf Schautafeln im Kreuzgang des Landtags zu sehen. Dabei geht es auch um die Frage: Was bedeutet Erziehung nach Auschwitz heute?

Neue Formate des Erinnerns

Wie wichtig es ist, neue Formen des Erinnerns zu finden, machte Landtagspräsidentin Ilse Aigner deutlich. Der Holocaust-Überlebende Abba Naor musste an diesem Abend wegen gesundheitlicher Gründe absagen. „Wir stehen vor einer Zeit ohne Zeitzeugen“, mahnte Aigner. Das sei eine Zeitenwende. Sie lobte daher das Engagement der Studierenden, die besonderen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland wachzuhalten. Aber auch Bayern gehe innovative Wege, verdeutlichte sie. Gemeinsam mit der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten sollen Zeitzeugen 1000 Fragen gestellt und die Antworten aufgezeichnet werden; Ein erstes Pilotprojekt mit Abba Naor wurde bereits durchgeführt. „Wir müssen den Opfern auch in Zukunft ein Gesicht, eine Stimme, einen Namen geben.“ Das sei umso wichtiger in Zeiten, in denen Deutsche in NS-Uniformen ihren Antisemitismus offen zur Schau und Migranten aus arabischen Ländern die Existenz Israels infrage stellten.

 


KSH-Präsident Professor Herrmann Sollfrank stimmte Aigner zu, dass die Wissenschaft aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Vorkommnisse stärker Stellung beziehen müsse. „Wir sind nicht nur eine Bildungseinrichtung, sondern haben auch einen öffentlichen Auftrag“, erklärte er. Durch das Projekt „Die Verfolgung des Sozialen im Nationalsozialismus – Geschichte und Gegenwart“ würden nicht nur der wissenschaftliche Austausch mit Israel gestärkt und die Erinnerungskultur wachgehalten, sondern auch neue Bildungsformate für die Wissensvermittlung der nachfolgenden Generationen entwickelt. „Dafür braucht es aber auch kontinuierliche finanzielle Förderung“, mahnte Sollfrank. Bisher würden sich Förderprogramme immer nur an schulische Träger richten. Auch die zwei eingeladenen KSH-Studierenden betonten, wie wichtig moderne Bildungskonzepte seien, um Jugendliche zu erreichen.

Rap im Konzentrationslager?

Wie moderne Erinnerungskultur aussehen kann, veranschaulichte Dr. Matthias Heyl, Leiter der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Viele Formen würden Jugendliche belehren oder überwältigen, sagte er. „Aber Pädagogik, die darauf setzt, betroffen zu machen, verschließt Zugänge zur Geschichte.“ Also rief Heyl das Projekt „Generationenforum meets Sound in the Silence“ ins Leben, wo sich junge Menschen, Holocaust-Überlebende und deutsch-jüdische Rapper intensiv austauschen konnten. Rap im Konzentrationslager? Viele Erwachsene befürchteten einen Skandal. „Aber die Jugendlichen haben gezeigt: es geht“, versicherte Heyl. Herausgekommen sind Musikcollagen mit Soundschnipseln aus Gedichten, Lesungen oder Erzählungen der Zeitzeugen.  „Wir wollen Jugendlichen die Chance geben, selber Akteure der Erinnerungskultur zu werden.“ Nur so könnten sie die Alarmzeichen in einer Gesellschaft richtig deuten.

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