Kino im Landtag zeigt „Das gewisse Etwas“
Sondervorführung des inklusiven Films "Das gewisse Etwas" im Bayerischen Landtag.
15. Juli 2026
MÜNCHEN. Im wie immer zur Reihe „Kino im Landtag“ gut besuchten Senatssaal des Maximilianeums sahen die Gäste eine Sondervorführung des inklusiven Films von Regisseur Marc Rothemund „Das gewisse Etwas“. In der berührenden Komödie geht es um ein Abenteuer, das den Beteiligten nicht nur ungeahnte Herausforderungen beschert, sondern auch eine neue Sicht aufs Leben ermöglicht.
Der Film zeichnet sich dadurch aus, dass am Set viele Menschen mit Beeinträchtigungen mitarbeiten. Figuren in der Komödie, die Menschen mit Behinderung darstellen, sind auch durch professionelle Schauspieler und Schauspielerinnen mit Behinderung besetzt. Ein inklusives Filmprojekt, das bei Landtagspräsidentin Ilse Aigner großen Anklang fand. „Man muss es nur wollen“, sagte Aigner in ihrer Begrüßungsrede und lobte den Produzenten Oliver Berben und das Filmunternehmen Constantin Film für den Mut, mehr Inklusion in der Filmbranche zu wagen.
„Man muss es nur wollen“
Es sei gelungen, so die Landtagspräsidentin, Menschen mit Behinderung authentisch einzubeziehen, ihnen Raum für eigene Geschichten zu geben sowie die Möglichkeit, ihr Talent vor der Kamera zu zeigen. Zugleich verwies sie aber auch auf nötige Rahmenbedingungen, damit eine solche Inklusion gelingen kann. Die Voraussetzungen am Set müssten passen wie beispielsweise barrierefreie Drehorte und es brauche Zeit und Geld.
Explizit wandte sich die Landtagspräsidentin gegen politische Kräfte im Land, die Inklusion in Frage stellen. „Wenn dahinter eine Ideologie steht, die ein Leben als wertvoller bewertet als das andere, wenn das Leben und die Würde unterschiedlich beurteilt werden, dann ist da definitiv Schluss und dann bin ich zu keinerlei Gespräch mehr bereit.“ Mit Blick auf Alter, Geschlecht oder Behinderung gelte es vielmehr, alle nach ihren Fähigkeiten zu stärken, ohne dass Talente verloren gehen.
Nach Aigners Worten schafft die Komödie den Balanceakt zwischen Spaß und Spannung, Ironie und Ernsthaftigkeit sowie pointierter Situationskomik und tiefgründigen Botschaften. Ihr Fazit: gewohnte Denkmuster werden hinterfragt, auch Vorurteile kritisch reflektiert und nicht zuletzt lasse der Film neue Perspektiven zu.
Darum geht es in „Das gewisse Etwas“
Nach einem Diebstahl in einem Juweliergeschäft verstecken sich Alex, gespielt von Max von der Groeben, und sein Vater Karlo, dargestellt von Florian Lukas, ausgerechnet in einer Gruppe junger Erwachsener mit Beeinträchtigung, die mit ihren Betreuenden in den Sommerurlaub in die Berge aufbrechen. Um sich zu tarnen, geben sich die beiden Ganoven als fehlender Teilnehmer und dessen Begleitperson aus. Das scheint zunächst zu funktionieren. Doch dann geraten die Ereignisse zunehmend außer Kontrolle. Die Reise bringt neue Begegnungen, beschert allen Beteiligten ungeahnte Herausforderungen und viel Spaß, große Gefühle sowie schließlich eine neue Sicht aufs Leben.
Der Film ist ein Remake des französischen Publikumserfolges „un p´tit truc en plus“, unter dem deutschen Titel „Was ist schon normal“. In Frankreich lockte die Komödie elf Millionen Besucher in die Kinos. Im Maximilianeum erntete der Film „Das gewisse Etwas“, der am 3. September in die Kinos kommt, viele Lacher und am Schluss langen Applaus.
Vertrautheit aller Beteiligten schaffen
Noch vor der Filmvorführung konnten die Gäste einem von der BR-Journalistin Christina Wolf moderierten Filmgespräch folgen, in dem zwei der Protagonisten, einer der Produzenten und der Cast Director Rede und Antwort standen.
„Das gewisse Etwas“ sei zwar eine Adaption des französischen Vorbilds, präsentiere aber eine eigenständige Version, erklärte Produzent Patrick Zorer. Sein Patentrezept: frühzeitig alle Beteiligten zusammenzubringen, um Vertrautheit herzustellen. Produktionstechnisch sei die Komödie aufwändiger gewesen, was aber nicht am Ensemble, sondern am schwer erreichbaren Drehort gelegen habe. Als besonders stellte Zorer zudem heraus, dass sich die Schauspieler ihre Rollen aussuchen konnten.
„Sie wollen nicht nur, sie können auch.“
Das bestätigte auch Schauspieler Timon Heinzl, der im Film die Rolle des Julius spielt. Gefallen habe ihm an der Rolle, dass er quasi sich selber spielen konnte. Lacher erntete Heinzl im Publikum, als er zudem sehr launig seine Gage positiv erwähnte. Schauspielerin Natalie Kim Lehmann, die im Film die Figur der Sophie verkörpert, sagte, ihr sei wichtig, zu erzählen, wer sie ist, die Zuschauer sollten sie als Person in ihrer Rolle sehen.
Das Filmgeschäft ist mittlerweile nach Einschätzung von Cast Director Sven Harjes inklusiver geworden. Seit 2020 hat demnach allein Harjes 20 inklusive Projekte begleitet. „Das läuft nicht immer rund, aber zum größten Teil sehr gut“, sagte Harjes. Konkret bezogen auf die aktuelle Produktion: „Wir hatten eine tolle Zeit, wir waren eine Einheit und das hat man auch vor der Kamera gesehen.“
Der Film soll, so wünscht sich das die Crew, Vorurteile abbauen und auch zur Aufklärung beitragen, was Menschen mit Beeinträchtigung leisten können. Man müsse sie nicht mit Samthandschuhen anfassen, erklärte Harjes. „Sie wollen nicht nur, sie können auch.“
Von der Politik wünschten sich die Diskussionsteilnehmer weitere Förderung von Menschen mit Beeinträchtigung und eine bessere Teilhabe auf dem ersten Arbeitsmarkt.
/ Miriam Zerbel