Bayerischer Landtag

Landwirtschafts- und Umweltausschuss: Expertenanhörung zur Zukunft der bayerischen Teichwirtschaft

4. Dezember 2019
– Von David Lohmann –

Die Teichfischzucht gehört in Bayern zum Kulturgut. Doch neben geringem Einkommen und Bürokratie machen zunehmend Tiere den Teichwirten zu schaffen – sie fordern daher deren Abschuss. Tierschützer sind dagegen. Wie die bayerische Teichwirtschaft unterstützt werden kann und wie ein Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Umwelt hergestellt werden kann, wollten die gleichnamigen Ausschüsse mit einer Expertenanhörung herausfinden.  

Fischzüchter Thomas Beer aus Mitterteich vermarktet seit über 20 Jahren Fisch – mit großem Erfolg. Der Karpfen sei aus der Gastronomie nicht mehr wegzudenken und die riesigen Teichlandschaften seien ein Besuchermagnet für Touristen. Also alles gut? „Fische verkaufen ist nicht das Problem, Fische zu haben umso mehr.“ Kormorane, Silberreiher und Fischotter würden Beers Bestand zunehmend dezimieren. „Die Planungssicherheit ist vollkommen verloren gegangen“, klagte er.  

Auch Biber erschweren Teichwirten die Arbeit. „Egal ob Forellen oder Karpfen: Wenn der Biber das Wasser absperrt, sind die Fische tot“, erklärte Alfred Stier vom bayerischen Landesfischerverband. Seine Mitglieder fühlten sich benachteiligt: Tschechien investiere gerade viel Geld in die Teichwirtschaft, Österreich habe die Abschusszeiten verlängert. „Wie sollen wir uns so dem europäischen Wettbewerb stellen?“

Teichwirtschaft in Bayern als Kulturgut

Die Teichwirtschaft in Bayern sei ein wichtiges Kulturgut, betonte Hans Klupp, Vorsitzender des Fischerzeugerrings Oberpfalz. Aktuell gebe es in Bayern noch 8000 teichwirtschaftliche Betriebe – fast alle in Familienbesitz und nicht größer als 2,5 Hektar. Zwar habe es in der tausendjährigen Geschichte immer Höhen und Tiefen gegeben. „Aber durch die horrenden Fischverluste von bis zu 80 Prozent steckt die Karpfenteichwirtschaft in einer existenziellen Krise.“

„Teichwirte müssen ein ordentliches Einkommen haben, sonst hören sie auf“, warnte Günter Gabsteiger vom Verband der Bayerischen Berufsfischer. Das wäre für die Landschaftspflege katastrophal, weil dadurch die Teiche verschwinden würden – „Biotope vom Feinsten.“ Er forderte von der Politik mehr finanzielle Unterstützung, damit er seinen Mitgliedern sagen kann: „Der Landtag kümmert sich um Euch.“

Ein weiteres Problem aus Sicht der Teichwirte ist die überbordende Bürokratie. In den letzten 20 Jahren seien nicht nur zusätzliche Verordnungen wie die Fischseuchenverordnung, sondern auch strengere Rahmenbedingungen beim Baurecht, Wasserrecht oder Umweltrecht hinzugekommen, sagte Dr. Thomas Speierl vom Bayerischen Bezirketag in Oberfranken. „Und die Fördermöglichkeiten werden gerade für Kleinbetriebe immer komplexer.“

Bernhard Feneis, Präsident des Verbands deutscher Binnenfischer und Aquakultur, störte zusätzlich, dass Politiker oft die Europäische Union für die bürokratischen Probleme der Teichwirte verantwortlich machen würden. „Dabei haben wir viel Rückenwind aus Brüssel, der aber an der Tür des Landratsamts endet.“ Wenn sich nicht schnell etwas an der Situation ändere, werde es sehr schwierig, die nächste Generation für diesen Beruf zu gewinnen.

Dr. Martin Oberle vom Institut für Fischerei in Höchstadt unterstrich die Bedeutung der 8000 Kilometer Teichufer für Brutvögel oder seltene Libellen. Allein die Bearbeitung eines Hektars benötige wegen der mühevollen Handarbeit 100 Stunden – dennoch seien die Preise nicht gestiegen. Daher müsse es laut Oberle das Ziel sein, die Erträge zu steigern und die Leistungen gerade kleiner Teichwirte für das Ökosystem stärker zu honorieren. Und die Abschussmöglichkeiten zu erhöhen.

Dr. Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz widersprach. Natürlich sollten Teichwirte für den Erhalt der Biodiversität Geld erhalten. „Beim Abschuss sind wir aber schon am Limit der Vogelschutzordnung“, sagte der Landesfachbeauftragte. Außerdem habe der Massenabschuss keinen Erfolg gebracht. Er forderte in Absprache mit den Kormoranmanagern ein gezieltes Vorgehen beim Abschuss statt pauschaler Lösungen.

„Das Thema beschäftigt die Gemüter“, resümierte der Landwirtschaftsausschussvorsitzende Dr. Leopold Herz (FREIE WÄHLER). Die Produkte der Teichwirte seien von erheblichem Wert und ein Stück bayerisches Kulturgut. Es sei daher klar, dass den Fischzüchtern bei Problemen mit dem Kormoran, der Bürokratie oder dem Nachwuchs geholfen werden müsse.

Umweltausschussvorsitzende Rosi Steinberger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zeigte ebenfalls Verständnis für die Sorgen der Teichwirte. „Aber nur zu sagen, es müssen mehr Tiere abgeschossen werden, geht nicht.“ Da stehe schon das Naturschutzrecht dagegen. Sie schlug vor, das Prädatorenmanagement zu professionalisieren und Best-Practice-Beispiele auf ganz Bayern zu übertragen.

Klaus Steiner (CSU) verstand nicht, warum Rotwild geschossen werden darf, um den Bergwald zu schützen, aber Kormorane nicht, obwohl die Fische auch geschützt werden müssten. Der Abschuss habe sehr wohl positive Auswirkungen auf den Fischbestand, sagte er. „Es ergibt doch keinen Sinn, aus Teichen Hochsicherheitsgefängnisse für Fische zu machen.“    

Da fast alle Teichwirte im Nebenerwerb arbeiten, wünschte sich Ruth Müller (SPD) mehr Unterstützung vom Landwirtschaftsministerium für den Vertrieb und die Direktvermarktung. Auch müsse überlegt werden, welche weiteren Fördermöglichkeiten es gebe.

Christoph Skutella (FDP) glaubte nicht, dass sich die Probleme „wegberaten oder wegevaluieren“ ließen. Er befürchte auch, dass Teichwirte durch die hohen Nutzungsverzichtzahlungen motiviert werden könnten, ihre Arbeit dauerhaft einzustellen.  

Andreas Winhart (AfD) gab zu bedenken, dass die Probleme möglicherweise auch durch mangelnde Unterstützung der Jägerschaft vor Ort entstünden. „Vielleicht gibt es für Jäger zu wenig Anreize, um auf Kormorane zu schießen.“ 

Dr. Reinhard Reiter, Fischereireferent im Landwirtschaftsministerium, räumte ein, dass die Ökosystemdienstleistungen im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramm „in keiner Weise“ honoriert werden. In zwei, drei Jahren soll aber ein neues Programm speziell zur Kleinteichförderung aufgelegt werden. Schon jetzt könnten Fischzüchter aber durch den Europäischen Meeres- und Fischereifonds gefördert und durch den bayerischen Fischottermanagementplan entschädigt werden.  

Dr. Erik Settles, zuständig für das Wildtiermanagement im Umweltministerium, überraschten die Probleme der Teichwirte mit dem Kormoran. Die Abschussmöglichkeiten würden stark genutzt – „selbst in Naturschutzgebieten ist der Abschuss möglich.“ Insgesamt 7200 Exemplare seien im letzten Winterhalbjahr geschossen worden. Er versprach aber, das Thema in den Arbeitskreisen des Ministeriums zu diskutieren, in denen einige der anwesenden Experten ebenfalls Mitglied sind.

Seitenanfang