"Tierwohl in der Nutztierhaltung"

Gemeinsame Sachverständigenanhörung im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz und im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Donnerstag, 11.02.2021

MÜNCHEN.       In einer gemeinsamen Anhörung der Ausschüsse für Umwelt und Verbraucherschutz sowie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zum Thema "Tierwohl in der Nutztierhaltung" wurde aus dem Expertengremium der Wunsch nach verlässlichen Rahmenbedingungen für die Bauern, mehr Unterstützung und besseren Milchpreisen laut.

Dr. Rupert Ebner, Veterinärmediziner und ehemaliger Umweltreferent in Ingolstadt fand den Begriff Tierwohl "zu kurz gegriffen". Ihm geht es nicht nur um die Haltung der Tiere. Man müsse sich auch Gedanken um Fütterung und Zucht machen, sagte er.

Bayern habe einiges erreicht, so Professor Dr. Dr. Michael Erhard, Vorstand des Lehrstuhls für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München. Bei den Legehennen etwa habe sich die Bodenhaltung durchgesetzt. Dafür müsse der Handel mitziehen.

Die Landwirte seien bereit, sich für mehr Tierwohl einzusetzen, könnten sich aber überfordert fühlen, wenn zu schnell vorangegangen wird, so Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. Er mahnte, den Markt nicht aus den Augen zu verlieren.

Nur auf die Verbraucher zu setzen, reiche nicht, sagte Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts aus Braunschweig, das zu Land-, Forstwirtschaft und Fischerei forscht. Auch Investitionsförderung und "ordentliche Preise" genügten nicht. Eine verlässliche Tierwohlprämie hält er für das wichtigste ökonomische Instrument.

Entscheidend seien die Machbarkeit und die Planbarkeit der verschiedenen Parameter, so Dr. Christian Kagerer, Geschäftsleiter der Landwirtschaftlichen Qualitätssicherung Bayern GmbH. Die Anstrengungen der Landwirte müssten honoriert werden.

Prof. Dr. Ute Knierim, Fachgebietsleiterin Nutztierethologie und Tierhaltung der Universität Kassel, sagte, den Landwirten werde viel abverlangt. Es sei deshalb notwendig, sie qualifiziert zu beraten, wofür es mehr Ausbildung brauche.

Verbraucher seien bereit, höhere Preise zu bezahlen. Dafür sei eine klare Kennzeichnung nötig, sagte Dr. Esther Müller, Leiterin der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes.

Bauern wollten ihren Tieren das größtmögliche Tierwohl bieten, sagte Romuald Schaber, Landwirt und Ehrenvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter. "Ich kenne keinen Landwirt, der nicht gerne einen neuen Stall bauen würde". Entscheidend für die Bauern sei es, "ehrliche Preise" zu erzielen.

Die Halter brauchten verlässliche Rahmenbedingungen, sagte Ernest Schäffer, Geschäftsführer des Landeskuratoriums der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV). Er betonte, dass Bauern mehr Wertschätzung in der Gesellschaft bräuchten.

In der anschließenden Aussprache erkundigte sich Florian von Brunn (SPD), welche Möglichkeiten der Staat zur Förderung hat, etwa in Kitas und Kantinen. Wie die Forderung nach Planungssicherheit für Landwirte zu der Forderung nach Schnelligkeit passt, wollte Dr. Petra Loibl (CSU) wissen und Christoph Skutella (FDP) fragte, ob die Hoffnung besteht, dass künftig einheitliche EU-Standards geschaffen werden. Der AfD-Abgeordnete Ralf Stadler bat um Auskunft, ob Luftröhrenschnitte erlaubt sind und ob noch Halal-Schlachtungen durchgeführt werden.

In den preissensibel agierenden Kantinen könnten konkrete staatliche Vorgaben helfen, antwortete Dr. Hinrichs dem SPD-Abgeordneten. Tierwohl koste Geld und Halter setzen es um, wenn sie dafür honoriert werden, wandte er sich an Dr. Petra Loibl. Auf EU-Standards könne man nicht warten, so Professor Isermeyer. Das Thema habe in den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Priorität. Der AfD sagte Dr. Ebner: Auch wenn die Tierärzte etwas anderes empfehlen, sei Schächten in Deutschland erlaubt.

In Deutschland gebe es die niedrigsten Lebensmittelpreise. Es sei wichtig, ein Bewusstsein für ihren Wert zu schaffen, sagte Dr. Leopold Herz (FREIE WÄHLER), Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses zum Abschluss. "Bayern hat viel zu verlieren" wiederholte Rosi Steinberger (BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN), Vorsitzende im Umweltausschuss die Worte ihres Fraktionskollegen Paul Knoblach. "Aber es muss auch klar sein, dass nicht alles so bleiben kann, wie es ist."

/ Anna Schmid

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