Bürgerpreis 2020 für digitale Nachbarschaftsprojekte

Die Preisträger des diesjährigen Bürgerpreises unter dem Motto „Neue Netze, neue Nachbarn - gemeinsam digital sozial“ stehen fest: Sieben herausragende Projekte, unter denen das Preisgeld von 50.000 Euro aufgeteilt wird, wählte der unabhängige Beirat aus.

Alle Preisträger setzen sich in besonderer Weise ehrenamtlich dafür ein, Menschen miteinander zu vernetzen – auch digital – und in der Nachbarschaft oder einer Community zusammenzubringen. Landtagspräsidentin Ilse Aigner betonte: „Die Auswahl war nicht einfach, denn wir haben glücklicherweise viele sehr gute Bewerbungen gehabt. Es ist toll zu sehen, wie die Bürgerinnen und Bürger in Bayern mit großem ehrenamtlichen Einsatz die Menschen untereinander verbinden – gerade auch mithilfe digitaler Angebote – und so dafür sorgen, dass der Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten stärker wird. Gerade in den vergangenen Wochen war es aufgrund der Corona-Pandemie ja umso wichtiger, durch eine digitale Vernetzung auch von daheim aus für andere da zu sein. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich!“

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Der Beirat – bestehend aus je einem Vertreter bzw. einer Vertreterin der Fraktionen im Bayerischen Landtag, des Bayerischen Gemeindetags und des Bayerischen Städtetags sowie des Vereins Bayerische Landtagspresse und geleitet von Landtagspräsidentin Ilse Aigner – bewertete insgesamt 57 Bewerbungen. Da mehrere der Projekte überzeugten, entschieden sich die Mitglieder dafür, zweimal den ersten Preis, zweimal den zweiten Preis und dreimal den dritten Preis zu vergeben. Der Beirat bedankte sich auch bei allen anderen Bewerbern.

Die Preisträger des Bürgerpreises 2020 sind:

1. Preis (2x je 10.000 Euro):

Die Initiative fördert Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Haushalten und unterstützt sie auf ihrem Bildungsweg durch Workshops und ein Online Lern- und Nachhilfeprogramm. Studierende bieten hier ehrenamtlich Hilfe bei Fragen und Problemen bei bestimmten Themen an. Zudem gibt es Beratung und Hilfe bei Bewerbungen oder Studienplatzfinanzierung sowie ein mehrjähriges Mentoring Programm.

Zweimal in der Woche laden seit Beginn der Corona-Maßnahmen eine Radiomoderatorin und ein Musiker Stationen in Kinderkliniken und Behinderteneinrichtungen zu einem Videochat ein, bei dem gesungen oder gespielt wird. Damit ermöglicht die Initiative es Kindern und Jugendlichen, die aufgrund einer ansteckenden Krankheit oder eines schwachen Immunsystems niemand besuchen darf oder weil sie Risikopatienten sind, per Handy, Tablet oder Computer Kontakt zu Angehörigen und Freunden aufzunehmen und gemeinsam mit ihnen etwas erleben. Ehrenamtliche bereiten die Beiträge für den Videochat vor, wie Bewegungslieder, Improvisationen, Filme oder kreative Projekte und betreuen die Umsetzung.

2. Preis (2x je 7.500 Euro):

Ehrenamtliche des Mehrgenerationenhauses Haßfurt nehmen seit Beginn der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus durch Telefonate, Videoschalten oder Chats Kontakt zu SeniorInnen und zu Familien auf, unterhalten sich und erfragen, ob die Menschen Unterstützung beispielsweise bei Einkäufen benötigen und organisieren diese Bürgerdienste. Mit persönlichen Briefbotschaften werden aufmunternde Worte, Rezepte, Rätsel oder andere Beschäftigungsideen verschickt.

Seit zehn Jahren ist die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe „Wir füreinander“ bereits aktiv, nun ergänzt sie ihr Engagement durch eine Internetplattform, mit deren die Hilfe koordiniert und zwischen Angebot und Nachfrage vermittelt wird. Bürgerinnen und Bürger helfen sich hier gegenseitig unkompliziert in schwierigen Alltagssituationen. Zudem werden Lese- und Lernpatenprojekte mit den Grundschulen organisiert und Vortragsabende gestaltet.

3. Preis (3x je 5.000 Euro):

Die Initiative hat ein umfassendes Stadtlexikon für die Stadt Fürth aufgebaut. Dabei verfassen die Ehrenamtlichen nicht nur die Artikel, sondern organisieren Treffen mit Zeitzeugen, führen Interviews und organisieren Schülerprojekte. Auch die StadtWiki-Tage in Fürth organisierte die Gruppe, ebenso einen FürthWiki-Tag im Stadtmuseum.

Da die 300 Ehrenamtlichen der Lesefüchse e.V. aufgrund der Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen nicht mehr in Schulen und Bibliotheken vorlesen konnten, startete der Verein ein Projekt zum digitalen Vorlesen. Die VorleserInnen nahmen Videos zuhause auf, die auf die Homepage des Vereins hochgeladen wurden. So konnte jede Geschichte zu jeder Zeit abgerufen werden. Allein bis Anfang April wurden die Videos mehr als 5000 Mal aufgerufen.

Eigentlich hätte das „Café eigenleben“ als Treffpunkt der Generationen in der Maxvorstadt eröffnen sollen – doch aufgrund der Corona-Maßnahmen zogen die Initiatoren mit der Idee ins Internet um und gründeten einen virtuellen Treffpunkt zum Austausch der Generationen in geschützter Umgebung. Ältere Menschen lernen dadurch, wie die Kommunikation über die neuen Medien funktioniert – durch Workshops, Generationen-Tandems oder Anleitungen, allesamt per Livestream oder Videokonferenz.

Kaum eine Entwicklung durchdringt alle Bereiche unseres Lebens so stark wie die Digitalisierung. Die damit einhergehenden neuen Möglichkeiten zur Kommunikation, Kontaktaufnahme und Teilhabe verändern auch unser gesellschaftliches Zusammenleben: Früher begegnete man den Nachbarn im Treppenhaus, heute trifft man sich im Internet. Globalisierung und hohe Mobilität verstärken dabei mancherorts das Gefühl der nachbarschaftlichen Anonymität und des Aneinander-vorbei-Lebens.  

Ganz grundsätzlich gilt: Nachbarschaftliche Beziehungen müssen wachsen, sie entstehen nicht von heute auf morgen. Sie erfordern von den Beteiligten, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, in sie zu investieren und sich immer wieder aufs Neue zu vernetzen. Das digitale Umfeld ergänzt dabei das soziale Miteinander, ohne es zu ersetzen oder auf das rein Virtuelle zu reduzieren.

Gesucht waren digital basierte Ideen, die Menschen zusammenbringen

Nachbarschaftsplattformen und soziale Medien mit lokalem Bezug vereinfachen beispielsweise den Austausch und die Interaktion, sie vernetzen Fähigkeiten und Fertigkeiten – zum gegenseitigen Nutzen. Zugleich senken sie die Hemmschwelle, miteinander auch im „echten Leben“ in Kontakt zu kommen. Ob frisch zugezogen oder alleinstehend im Alter: Nachbarn mithilfe der Digitalisierung zu verbinden, ist eine Herausforderung, in deren Mittelpunkt das reale menschliche Miteinander steht.

Viele Initiativen zeigen, dass gerade digitale Angebote zur Vernetzung die sozialen Begegnungen vor Ort erweitern und die nachbarschaftliche Verbundenheit stärken, indem sie der Anonymität entgegenwirken. Private Tauschbörsen fördern den Austausch zwischen Nachbarn, die aus verschiedenen Gründen sonst nur wenig gemeinsam haben. Andere Projekte basieren auf gegenseitiger Hilfsbereitschaft und bündeln aktive nachbarschaftliche Unterstützung.

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