Bayerischer Landtag

Der Grundstein des Maximilianeums

Das Maximilianeum um 1860  | © Bildarchiv Heinz Gebhardt, München
Das Maximilianeum um 1860
| © Bildarchiv Heinz Gebhardt, München

Die Grundsteinlegung am 06. Oktober 1857

Als Zeugen der Handlung versammelten sich am späten Vormittag des 06. Oktober 1857 die Staatsminister, der Vorstand der Pagerie, der Regierungspräsident, der Universitätsrektor und die Vorstände der Akademie der Wissenschaften und des Maximilianeums auf dem Bauplatz am Ende der Maximilianstraße auf der Gasteighöhe, um auf den König und dessen Gefolge zu warten. Der Architekt des Baus Friedrich Bürklein nahm den Herrscher in Empfang und geleitete ihn auf die vor dem Grundstein errichtete Tribüne. Die Neuesten Nachrichten berichteten: Der König schien trotz des furchtbaren Wetters, welches z. B. das in der Mitte des Bauplatzes aufgeschlagene Zelt zuerst um zehn Uhr vormittags und dann abermals kurz vor elf Uhr abdeckt, so dass es ganz abgetragen und entfernt werden musste, sichtbar froh gestimmt, und wohnte dem ganzen unter einem Regensturm vorgenommenen Akt bis zum Schluße ohne Mantel bey. Ein 200 Stimmen starker Chor sang das von Generalmusikdirektor Franz Lachner komponierte Festlied(Dokument vorlesen): Auf den Höhen soll es ragen, edler Bildung sichrer Hort, reiche Geistesfrucht zu tragen, als ein stiller Musenort, Bayerns hoffnungsvollen Söhnen bauet Max hier ein Asyl, alles Wahren, Guten, Schönen Sterne sind ihr leuchtend Ziel.

Weder in der Rede des Staatsministers des königlichen Hauses und des Äußern Ludwig Freiherr von der Pfordten noch in den Ausführungen des Königs, der in traditioneller Form die ersten drei Schläge auf den Grundstein führte, wurden die eingemauerten Objekte angesprochen, sieht man von dem vielleicht als Anspielung auf die Lokomotive zu verstehenden Hinweis im Herrscherlob von der Pfordtens ab, Maximilian II. habe dem Verkehr große, lang ersehnte Wege eröffnet. Der König erläuterte seine Vorstellungen von der zentralen Aufgabe, der das Gebäude, das spätestens seit der Grundsteinlegung nicht mehr Athenäum, sondern Maximilianeum hieß, künftig zu dienen hat: Es ist bestimmt, die vorhandenen Unterrichtsanstalten zu ergänzen. Jeder Bayer, welchen Standes er auch immer sei, kann (...) eintreten, zeigt er sich dazu befähigt. Mein Volk besitzt Eigenschaften des Geistes und des Herzens, wie nicht leicht ein anderes; es braucht ihm nur die Gelegenheit geboten werden, sie zu entwickeln. Auch von der Pfordten hatte dies besonders betont. Nicht Stand und Rang, nicht Vermögen und Besitz, nicht Gunst und Fürbitte, sondern nur die hervorragende geistige und sittliche Tüchtigkeit solle die Aufnahme in diese Anstalt bedingen.

Es wird vermutet, dass es der 44-jährige Architekt Friedrich Bürklein gewesen ist, der dem bayerischen König die höchst ungewöhnliche Idee vermittelte, ein großes Lokomotivmodell in den Grundstein einzulegen. Der bei Dinkelsbühl geborene Schöpfer des Maximilianstils war dem Eisenbahnhochbau eng verbunden, spätestens nachdem er die Leitung des 1847 errichteten Neubauamts für den Münchener Bahnhofsbau übernommen hatte. Mit diesem repräsentativen und zugleich funktionalen, ästhetisch und technisch überzeugenden Gebäude erwarb er sich großes Ansehen, auch bei König Maximilian II.

Dass Bürklein und der König bei der Vorbereitung der Grundsteinlegung auch über den Modernisierungsmotor Eisenbahn gesprochen haben, darf auch deshalb vermutet werden, weil im gleichen Monat Oktober ein wichtiges Teilstück der München-Rosenheim-Salzburger Eisenbahn, die seit 1853 als Königlich Bayerische Maximiliansbahn bezeichnet wurde, ihrer Bestimmung übergeben worden ist.

Dem Kassenbuch des Hofsekretariats aus dem Jahr 1857 ist zu entnehmen, dass der König seinem Architekten Bürklein die Auslagen für die Fracht eines Lokomotivenmodells erstattete. Außerdem erhielt Blochmann in Dresden für das Modell eines Locomotivs (zur Einlegung in den Grundstein) durch Einlösung eines Wechsels auf Josef von Hirsch 556 Gulden und 36 Kreuzer. Das war eine ziemlich hohe Summe, die etwa dem Jahreseinkommen eines Leutnants der bayerischen Armee entsprach. Das Eisenbahnmodell kam also im Jahr 1857 von Dresden nach München. 1838 war es, wie die Signierung auf dem Dampfdom verrät, im mechanischen Atelier Rudolf Sigismund Blochmanns in der sächsichen Hauptstadt angefertigt worden.

Der Grundsteinfund im Februar 1998 - Copyright Bildarchiv Bayerischer Landtag Der Grundsteinfund im Februar 1998 - Copyright Bildarchiv Bayerischer Landtag | Foto Rolf Poss
Der Grundsteinfund im Februar 1998
Foto Rolf Poss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Der Grundsteinfund im Februar 1998

Zunächst glaubte Jovan Popovic am Nachmittag des Faschingsdienstags 1998 mit seinem Presslufthammer einen Luftschacht angebohrt zu haben. Für den Einbau einer Rolltreppe zur Tiefgarage des Maximilianeums musste das Bodenniveau um 40 cm gesenkt und dabei auch eine Türschwelle beseitigt werden, die direkt auf der Grundmauer lag. Der rasch herbeigeholte Bauschlosser stellte fest, dass es sich um eine Bleikassette handelt. Als dann die beiden die Kiste öffnen und mit einer Taschenlampe hinunterleuchten, blitzt es golden und gläsern zurück: der Grundstein des Maximilianeums ist mit seinen Beigaben nach gut 140 Jahren wieder ans Tageslicht gekommen.

Der Grundstein enthält einen vergoldeten Metallzylinder, einige Baupläne und die Grundsteinurkunde, die über die Zweckbestimmung des Maximilianeums Auskunft gibt. Dazu kommen silberne Geschichtsthaler der Regierungsperiode König Maximilians II. und sämtliche damals kursierenden Geldmünzen, vom Golddukaten bis zum Heller. Außerdem finden sich zwei auf Nymphenburger Porzellantafeln gemalte Porträts des königlichen Stifterpaars, eingefasst von einem vergoldeten Metallrahmen im gotisierenden Maximilianstil. Am meisten aber staunten nicht nur die Finder über eine leicht beschädigte Glasvitrine mit dem Modell einer Dampflokomotive mit Schlepptender. Wie Fachleute des Deutschen Museums beim Konservieren bald herausbrachten, handelt es sich hierbei um das Modell einer englischen Lokomotive der Typenreihe Patentee, der auch der Adler zuzurechnen ist, der erstmals 1835 in Deutschland einen Zug zwischen Nürnberg und Fürth antrieb. Hergestellt hat das Modell 1838 Rudolf Sigismund Blochmann in seinem Atelier für optische und mechanische Messinstrumente in Dresden.

Das ursprünglich funktionsfähige Lokomotivenmodell mit Tender im Maßstab 1:10 steht seit April 1999 im Steinernen Saal des Maximilianeums. Es wird zusammen mit der originalen Bleiglasvitrine und anderen Gegenständen aus dem Grundstein präsentiert. Die Lokomotive ist 57,5 cm lang, 20 cm breit und mit Kamin 47 cm hoch; der Tender hat eine Länge von 88 cm, eine Breite von 21 cm und eine Höhe von 27 cm. Das aus Eisen, Messing, Kupfer und Holz bestehende Modell wiegt insgesamt 20 kg und trägt auf dem Dampfdom die Signierung Blochmann Dresden 1838. Dieses älteste erhaltene Dampflokomotivenmodell in Deutschland, ein einzigartiges Zeitzeugnis aus der Frühphase der Industrialisierung, gehört der Stiftung Maximilianeum.

Neuer Grundstein 1998 Der Grundsteinfund im Februar 1998  - Bildarchiv Bayerischer Landtag | Foto Rolf Poss
Grundsteinlegung am 30. Juni 1998
Foto Rolf Poss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Neue Grundsteinlegung am 30. Juni 1998

Nachdem der erste Grundstein aus der Zeit von König Maximilian II. entfernt wurde, hat Landtagspräsident Johann Böhm am 30. Juni 1998 im Zugangsbauwerk zwischen Tiefgarage und Hauptgebäude zusammen mit dem Vorstand der Stiftung Maximilianeum, Hanspeter Beißer, und dem Leiter des Universitätsbauamts, Baudirektor Peter Pfab, einen neuen Grundstein gelegt. Der neue Grundstein enthält ein Modell der Nachbildung der Adler Eisenbahn, aktuelle Pläne des Maximilianeums, sämtliche gängigen Münzen, Briefmarken, Zeitungen sowie eine CD mit Bayernhymne und Deutschlandlied. Die Originalbaupläne und die Originalurkunde über die Grundsteinlegung, die sich im alten Grundstein befanden, wurden dem neuen beigefügt.

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