Der Aussenbau und seine Bildwerke

Hoch über der Isar zieht das Maximilianeum die Blicke auf sich. Als Höhepunkt der Maximilianstraße von einer ausgreifenden Auffahrt erschlossen, erhebt es sich aus dem Grün der Maximiliansanlagen.

Die auf einem hohen Sockel ruhende, flachgedeckte Schaufront setzt sich aus einem leicht konkaven Mitteltrakt und zwei geraden Seitenflügeln zusammen. Die gleichmäßigen Rundbogenreihen der beiden Geschosse werden seitlich von je einem dreistöckigen offenen Turm begrenzt und durch die drei Risalite (vorspringende Bauteile) des Mitteltrakts rhythmisiert. Die untere Arkadenreihe ist durchgehend nach Westen geöffnet, die obere im Mittelteil verglast und in den Flügeln beidseitig offen, wodurch dem Bau seine Schwere genommen ist.

Im Zentrum überragt der dreiachsige Mittelrisalit pavillonartig die Schaufront, in der Mittelachse durch höhere Bögen herausgehoben und in der Siegesgöttin Nike (Zinkguss nach Max Widnmann) gipfelnd. Die beiden Seitenrisalite des Mitteltrakts sind ähnlich gestaltet; auch sie weisen im piano nobile anstelle der Pilastergliederung eine korinthische Säulenordnung auf und werden von einer Attika mit Bildern in Halbkreisfeldern überhöht. Dadurch werden am Außenbau die bedeutendsten Innenräume markiert: der Steinerne Saal in der Mitte, der heutige Akademiesaal im Norden und der jetzige Lesesaal im Süden.

Weithin sichtbar verkünden die Bildwerke der Westfassade das Programm der ursprünglichen „höheren Bildungs- und Unterrichts-Anstalt“. So zeigen die 1902 den originalen Stereochromien nachgebildeten Mosaiken am Mittelrisalit
• die Stiftung des Ritter- und Benediktinerkonvents Ettal durch Kaiser Ludwig IV. den Bayern 1330 als Beispiel der Religiosität und Wohltätigkeit des bayerischen Herrscherhauses,
• flankiert von der Gründung der Universität Ingolstadt durch Herzog Ludwig IX. den Reichen 1472 und dem Sieg des fränkischen Dichters Wolfram von Eschenbach im Sängerwettstreit auf der Wartburg als Hinweis auf die seit alters in Bayern blühende Wissenschaft und Kunst.
Diese Bilder, von denen sich Ölskizzen im Maximilianeum erhalten haben, gehen auf den Münchner Akademieprofessor und Historienmaler Karl Theodor v. Piloty (1826–1886) zurück. Das mittlere Mosaik des nördlichen Risalits – nach Michael Echter (1812–1879), einem der ersten und bedeutendsten Illustratoren der Wagnerschen Tondichtung – führt als vorbildliche staatsmännische Leistung den Wittelsbacher-Hausvertrag zwischen Kaiser Ludwig IV. und seinen beiden Neffen zu Pavia 1329 vor Augen. Die seitlich abgebildeten Hilfsmittel der Wissenschaften (Globus, Bücher) nehmen Bezug auf den Freskenzyklus des darunter befindlichen Akademiesaals. Das Gegenstück am südlichen Risalit – nach dem Schlachtenmaler Feodor Dietz (1813–1870) – präsentiert als Werk der Kriegskunst die Befreiung Wiens von den Türken 1683 unter der Führung des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, des Herzogs Karl von Lothringen und des Polenkönigs Johann III. Sobieski. Die dazu passenden seitlichen Kriegstrophäen verweisen wiederum auf das Bildprogramm des hier liegenden Raumes Lesesaal.

22 lorbeerumkränzte Büsten über der unteren Arkadenreihe porträtieren wie die ursprünglich in den Wandelgängen darüber aufgestellten Marmorbüsten von Peter Schöpf und Johann v. Halbig Wohltäter, Erfinder, Weise, Literaten, Staatsmänner und Feldherren (nördlich: von Homer bis Franz von Assisi, südlich: von Gustav Adolf bis Pythagoras). Bei der Fassadenrenovierung 1962/63 mussten drei davon erneuert werden, wobei der Bildhauer Scheerbaum (Fritz Scherbaum?) die griechische Dichterin Sappho (als Frau) und den Römer Brutus (als Tyrannenmörder) neu ins Programm aufnahm.

An der Westfassade des Maximilianeums ist oberhalb des Maximilianeumsschildes das Emblem in Ultramarinblau und Weiß der Haager Konvention von 1954 zur Kennzeichnung von geschütztem Kulturgut angebracht. Es bedeutet, dass das Denkmal während eines Krieges oder bewaffneten Konflikten vor Zerstöprung oder Beschädigung sowie Diebstahl, Plünderung und anderen Formen einer widerrechtlichen Inbesitznahme dem Schutz der Haager Konvention unterstellt ist.

An den Repräsentationsteil des Maximilianeums schließt sich im Osten um das Treppenhaus herum ein fünfstöckiges, rechteckiges Rückgebäude an, das in seiner Schlichtheit nur als Kehrseite der Kulisse angesehen werden kann. Hier befanden sich ursprünglich Wohn-, Lehr-, Kranken-, Speise-, Konversations-, Bibliotheks- und Lesezimmer, Turn-, Fecht- und Tanzsäle von Studienstiftung und Pagenschule sowie die Wohnungen beider Direktoren.

Im ersten Stockwerk sind heute die Büroräume der Präsidentin und der Vizepräsidenten sowie Sitzungssäle untergebracht. Von den Ostgängen führen Verbindungstrakte zu den Erweiterungsbauten im Norden und Süden, die seit 1994 durch zwei keilförmige Flügel mit zweischaliger Klimafassade gegen Osten abgeschirmt werden.

Mit dem Konferenzbau, einem im Mai 2012 fertiggestellten Neubau im Nordhof, erfährt das Maximilianeum eine gelungene architektonische Abrundung. Die Gesamtanlage erhält zudem eine nach Norden, zu den Maximiliansanlagen hin orientierte neue Schauseite. Zusammen mit der nachhaltig konzipierten Gebäudetechnik ist der neue Konferenzbau ein wertvoller Beitrag für zeitgenössisches und richtungsweisendes Bauen in Bayern.

Die Ostzufahrt zum Maximilianeum wird heute von geschwungenen Freitreppen mit einer stelenartigen Metall-Doppelskulptur von Prof. Alf Lechner (1995) eingefasst.

Der Baumeister Friedrich Bürklein

Der Grundstein des Maximilianeums

Säle/Räume

Kunstband und Kunstführer "Das Maximilianeum"

Der Kunstband und der Kunstführer "Das Maximilianeum" können über den Verlag Schnell & Steiner bestellt werden. 

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