Bayerischer Landtag

Plenarsaal

Der Plenarsaal wird gerne als die „Herzkammer“ des Parlaments bezeichnet: Hier wird der Ministerpräsident gewählt, hier finden die großen Debatten statt, hier werden Gesetze beschlossen und fallen weit reichende Entscheidungen über die Zukunft des Landes.

Der in den Jahren 2004/ 2005 neu gestaltete Sitzungssaal für die Vollversammlung der Abgeordneten überrascht durch seine Helligkeit: Durch die Glasdecke und Dachverglasung gelangt viel Tageslicht in den Saal und schafft zusammen mit dem hellen Holzausbau Transparenz und Leichtigkeit. Dazu passt die großzügig beschwingte Kurvierung der Abgeordnetensitzreihen und der Tribünenbrüstung sowie – im Gegenschwung – des Präsidenten-/Regierungspodiums.

Die Anordnung und Anzahl der Abgeordnetenplätze im Plenarsaal kann flexibel gestaltet werden (Tischmodule). Für die aktuell 205 Abgeordneten sind Plätze im Parkett und weitere Plätze auf der Regierungsbank eingerichtet. Auf der Galerie befinden sich insgesamt 133 Plätze, davon 71 für Besucher, 46 für Journalisten und 16 für Ehrengäste.

Modernste Technik sorgt für optimale Kommunikation und Information, beste Akustik, ausgewogenes Raumklima und störungsfreie Live-Übertragungen. Das Große Bayerische Staatswappen über dem Präsidentensitz sowie die Wappen der sieben bayerischen Regierungsbezirke an der Rückseite der Besuchertribüne in gleicher Technik gestaltete der Objektkünstler Nol Hennissen.

Die Sitzordnung im Plenarsaal

Unter dem Großen Bayerischen Staatswappen sitzt der/die Landtagspräsident/in. Die Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags wechseln sich mit dem/der Präsidenten/in in der Leitung der Vollversammlung ab. Die Sitzungsleitung achtet darauf, dass die Regeln der Geschäftsordnung eingehalten werden. Diese geben sich die Abgeordneten am Anfang jeder Wahlperiode selbst. Sie enthält eine Fülle von Spielregeln, die für alle verbindlich sind. So kann der Parlamentsbetrieb fair, geordnet und effizient ablaufen.

Rechts und links vom Präsidentenplatz sehen Sie die Schriftführer/-innen. Sie sind Abgeordnete, die als Mitglieder des Präsidiums während der Plenardebatte die jeweilige Sitzungsleitung unterstützen.

Wichtige Akteure im Plenum sind die Fraktionsvorsitzenden. Sie haben ihren Platz in der ersten Reihe der Abgeordnetenplätze. Neben und unmittelbar hinter ihnen sitzen die Mitglieder des Fraktionsvorstands und Vorsitzende bzw. stellvertretende Vorsitzende der Ausschüsse.

Auf den Bänken rechts und links des Redepults sehen Sie die Mitglieder der Staatsregierung. Der Ministerpräsident und seine 17 Staatsminister und Staatssekretäre können von hier aus die Debatte verfolgen und jederzeit am Rednerpult das Wort ergreifen. Diejenigen Abgeordneten, die dem Kabinett angehören, haben ihre Plätze auf den Regierungsbänken. In der zweiten Reihe hinter der Regierung sitzen die so genannten Landtagsbeauftragten der Ministerien, die den Kabinettsmitgliedern im Plenum zuarbeiten.

Auch das Landtagsamt ist im Plenum vertreten: Vom Platz des Präsidiums aus gesehen, haben links der Landtagsdirektor, ein zuständiger Abteilungsleiter und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Plenarreferats ihre Plätze. Sie unterstützen die Sitzungsleitung und besprechen zum Beispiel mit den Fraktionsführungen, mit einzelnen Abgeordneten oder auch mit Kabinettsmitgliedern klärungsbedürftige Fragen zur Tagesordnung. Die Sitzungsleitung wird aktuell informiert und kann so rasch reagieren, wenn etwa eine Fraktion eine namentliche Abstimmung wünscht oder beispielsweise ein Mitglied der Staatsregierung das Wort ergreifen möchte.

Trotz des Internets und aller technischer Fortschritte haben weiterhin auch Stenografinnen und Stenografen ihren festen Platz im Plenarsaal – unmittelbar vor dem Redepult. Dort schreiben sie in bis zu 400 Silben pro Minute wörtlich alles mit, was in der Sitzung gesagt wird. Dazu gehören nicht nur die Reden, sondern auch die Zwischenrufe. Die Stenografen wechseln sich alle zehn Minuten ab. Mit ihrem Manuskript gehen sie in ihr Büro und veranlassen die Texterfassung. Da aus ihren Mitschriften die offiziellen Sitzungsprotokolle des Bayerischen Landtags erwachsen, müssen die Stenografen sehr schnell und sorgfältig arbeiten.

An ihrer bordeauxfarbenen Dienstkleidung erkennt man die Offiziantinnen und Offizianten. Sie haben vielfältige und wichtige Aufgaben, zum Beispiel kontrollieren sie den Zugang zum Saal, sind für die Anwesenheitslisten zuständig oder verteilen aktuelle Unterlagen an die Abgeordneten.

Der alte Plenarsaal

Seit seiner feierlichen Eröffnung am 11. Januar 1949 in Gegenwart des Präsidenten des damaligen Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer, bis zur letzten Plenarsitzung am 22. Juli 2004 hatte der Saal eine gewisse historische Patina angenommen. Gut 55 Jahre Parlamentsbetrieb sowie zahlreiche Sonderveranstaltungen – sowohl Feierstunden als auch Trauerakte – waren nicht spurlos an der seit ihren Anfängen unverändert gebliebenen Einrichtung vorübergegangen. Auch die technische Ausstattung entsprach schon längst nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Arbeitsparlament.

Der endgültigen Entscheidung zum Umbau gingen zwei Architekturwettbewerbe (2000 und 2001) voraus. Nach gründlicher Prüfung und Beratung traf das Präsidium die Entscheidung, den bisherigen Plenarsaal von Grund auf zu sanieren und so umzubauen, dass er den zeitgemäßen Bedingungen eines funktionalen Parlamentssaales entspricht. Oberste Richtschnur war die Verbesserung der Arbeitsbedingungen – im Hinblick auf Belichtung, Belüftung, Brandschutz und die Funktionalität der Abgeordnetenplätze – sowie ein erleichterter und auch barrierefreier Zugang in den Saal und auf die neue Besuchertribüne.

Mit dem Umbau wurde der Preisträger des Wettbewerbes des Jahres 2000 beauftragt, das Büro Staab Architekten aus Berlin. Dabei wurde der vorhandene Raum in seiner Ausrichtung um die Längsachse gespiegelt und mit einer geschwungenen Besucherund Pressetribüne ausgestattet, die den Zuschauern den Blick in das parlamentarische
Geschehen erlaubt.

Baubeginn war im Juli 2004. Es folgten 15 Monate intensivster Bauzeit, in der ein völlig neuer, mit moderner EDV- und Medientechnik ausgestatteter Plenarsaal entstand. Die Beengtheit des alten Saales wurde mittels horizontaler Teilung aufgelöst. Als Basis organisiert eine Raumschale aus Holz, Leder und Textil die Parlamentssitze, Regierungsbank und Zuschauertribünen. Die obere Raumschale öffnet den Raum zum Licht; durch die Konstruktion wird jedoch direkte Sonneneinstrahlung verhindert. Satiniertes, durch punktgelagerte Konstruktion gehaltenes Glas sorgt für die Grundbeleuchtung des Raumes. Trotzdem bleiben atmosphärisch wichtige Wechsel von Wetter, Tages- und Jahreszeit erlebbar.

Die ersten Plenarsitzungen nach dem Umbau fanden vom 13. bis 15. Dezember 2005 statt. Seit diesem Zeitpunkt werden Plenarsitzungen per Livestream im Internet übertragen und können über das Videoarchiv jederzeit in Bild und Ton abgerufen werden (Plenum Videos).

Kunst am Bau

Der künstlerische Entwurf von Nol Hennissen stellt das Bayerische Staatswappen und die Wappen der sieben bayerischen Bezirke in Form von Lochungen dar. Sie wurden an der Ost- bzw. Westwand angebracht. Die Wappen wurden mit Hilfe eines CAD-Programmes in ein Raster übersetzt. Dieses Raster war Vorlage für die Bohrungen, die mit einer numerischen CNC-Fräsanlage ausgeführt wurden. Im Bereich des Herzschildes sind Edelstahlstifte eingelassen, um die Rautenstruktur zu betonen.

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